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14. Juli 2026

Kleine Anfrage bringt Reformpläne der Bundesregierung ans Licht

Wie muss die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung aus­se­hen, damit sie Beschäf­tigte und Unter­neh­men durch Digi­ta­li­sie­rung, Künst­li­che Intel­li­genz, Dekar­bo­ni­sie­rung und den Fach­kräf­te­man­gel beglei­tet? Mit die­ser Frage beschäf­tigt sich Syl­via Rie­ten­berg, Arbeits­markt­ex­per­tin der Bun­des­tags­frak­tion Bünd­nis 90/Die Grü­nen, seit Beginn der Legis­la­tur­pe­ri­ode.

Schon seit Län­ge­rem war bekannt, dass ein Reform­ge­setz für die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung vor­be­rei­tet wird. Um früh­zei­tig Klar­heit über die Pla­nun­gen der Bun­des­re­gie­rung zu schaf­fen, stellte Syl­via Rie­ten­berg gemein­sam mit der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­tion die Kleine Anfrage „Stand der Pla­nun­gen für eine Moder­ni­sie­rung der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung“ (Druck­sa­che 21/6411). Die Ant­wor­ten der Bun­des­re­gie­rung (Druck­sa­che 21/6740) lie­gen inzwi­schen vor und zeich­nen erst­mals ein detail­lier­tes Bild der geplan­ten Reform.

Die Ant­wor­ten zei­gen: Die Bun­des­re­gie­rung will die Bun­des­agen­tur für Arbeit digi­ta­ler und bür­ger­freund­li­cher machen. Geplant sind unter ande­rem:

  • Ein­füh­rung der digi­ta­len Erreich­bar­keit und Videobe­ratung als Stan­dard,
  • ver­ein­fachte Ver­wal­tungs­ver­fah­ren,
  • gesetz­li­che Grund­la­gen für Arbeits­markt­dreh­schei­ben, Job-to-Job-Über­gänge und Expe­ri­men­tier­klau­seln,
  • ver­bes­serte Qua­li­fi­zie­rungs­mög­lich­kei­ten in Trans­fer­ge­sell­schaf­ten.

Die kleine Anfrage brachte noch weitere Erkenntnisse:

Seit Ein­füh­rung des Qua­li­fi­zie­rungs­gel­des im April 2024 haben bis Ende 2025 ledig­lich rund 350 Beschäf­tigte das Instru­ment genutzt. Lei­der plant die Bun­des­re­gie­rung beim Qua­li­fi­zie­rungs­geld, das Beschäf­tigte im Struk­tur­wan­del unter­stüt­zen soll, trotz gerin­ger Nut­zung, keine Anpas­sun­gen. Das ist bedau­er­lich, denn immer wie­der tra­gen und kleine Unter­neh­men und Hand­werk­be­triebe an uns heran, dass sie mehr Unter­stüt­zung brau­chen, weil sie das Instru­ment ent­we­der gar nicht ken­nen oder die Rah­men­be­din­gun­gen für die Qua­li­fi­zie­rung nicht erfül­len kön­nen, weil sie bei­spiels­weise nicht mona­te­lang auf Per­so­nal ver­zich­ten kön­nen.

Die Kleine Anfrage brachte außer­dem ans Licht, dass im Februar 2026 rund 188.000 Men­schen aus einer sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gung arbeits­los wur­den. Davon hat­ten rund 61.000 kei­nen Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld, obwohl sie Bei­träge gezahlt hat­ten. Details lie­fert die Ant­wort lei­der nicht, aber seit Jah­ren neh­men Erwerbs­for­men wie Pro­jekt­ar­beit, Solos-Selb­stän­dig­keit, Kurz­zeit­ar­beit und par­al­lele Anstel­lung mit Selb­stän­dig­keit zu. Ein Zusam­men­hang liegt nahe. Eine Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung, die Men­schen in der Arbeits­welt mit Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung absi­chern soll, muss sich dar­auf ein­stel­len und aus unse­rer Sicht eine bes­sere Absi­che­rung anbie­ten.

Große Resonanz in den Medien

Beson­ders die geringe Nut­zung des Qua­li­fi­zie­rungs­gel­des wurde am 14.07.2026 von meh­re­ren Medien auf­ge­grif­fen.

  • Han­dels­blatt: „Mil­lio­nen­schwere Hilfe zur Qua­li­fi­zie­rung erreicht nur 350 Beschäf­tigte“
    Der Bericht the­ma­ti­siert die Ergeb­nisse der Klei­nen Anfrage und die For­de­rung, das Instru­ment ins­be­son­dere für KMU nach­zu­bes­sern.
  • Deutsch­land­funk:
    Der Bei­trag geht auf die geringe Inan­spruch­nahme des Qua­li­fi­zie­rungs­gel­des und die Her­aus­for­de­run­gen bei der Qua­li­fi­zie­rung im Struk­tur­wan­del ein.
  • Ad-hoc News:
    Hier wird die Kri­tik von Syl­via Rie­ten­berg an der aus­blei­ben­den Wei­ter­ent­wick­lung des Instru­ments zitiert.


„Das ist eine ver­tane Chance. Schon 2024 war klar, dass viele Betriebe und Beschäf­tigte mit­ten im Struk­tur­wan­del ste­hen. Wenn das Qua­li­fi­zie­rungs­geld nach über andert­halb Jah­ren nur rund 350 Beschäf­tigte erreicht hat, zeigt das: Nicht die Idee war falsch, son­dern das Instru­ment ist noch nicht all­tags­taug­lich genug. Jetzt, zum anste­hen­den Geset­zes­ver­fah­ren zur Moder­ni­sie­rung des SGB III, ist der rich­tige Zeit­punkt, dafür zu sor­gen, dass es bekann­ter und auch für kleine Betriebe und Hand­werk ein­fa­cher, fle­xi­bler und pass­ge­nauer wird.“

Syl­via Rie­ten­berg, MdB

Unser Fazit:

Die Arbeits­welt ver­än­dert sich schnel­ler denn je. Digi­ta­li­sie­rung, Künst­li­che Intel­li­genz und der kli­ma­neu­trale Umbau der Wirt­schaft stel­len Beschäf­tigte und Unter­neh­men glei­cher­ma­ßen vor neue Her­aus­for­de­run­gen.
Die Kleine Anfrage hat gezeigt: Die Bun­des­re­gie­rung plant zwar die Ver­wal­tung der Bun­des­agen­tur für Arbeit zu moder­ni­sie­ren, lässt aber zen­trale Zukunfts­fra­gen der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung offen. Aus Sicht von Bünd­nis 90/Die Grü­nen muss die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung kon­se­quent zu einer moder­nen Arbeits­ver­si­che­rung wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den, als Sicher­heits­netz für Beschäf­tigte und zugleich als Part­ne­rin der Unter­neh­men im Struk­tur­wan­del.