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25. September 2026

Rede | Für eine Arbeitslosenversicherung die den Menschen Sicherheit im Wandel gibt und die den Wandel gestaltet

Redeprotokoll vom 25.09.2026 anlässlich des Gesetzentwurfs zur Reform des SGB III “Arbeitsförderung:


Sehr geehr­ter Herr Prä­si­dent, sehr geehrte Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen,

wann ist eigent­lich der rich­tige Zeit­punkt, Arbeits­lo­sig­keit zu bekämp­fen?

Wenn jemand bereits sei­nen Arbeits­platz ver­lo­ren hat?

Oder nicht viel frü­her – wenn sich Tätig­kei­ten ver­än­dern, Qua­li­fi­ka­tio­nen nicht mehr pas­sen oder in einem Unter­neh­men Arbeits­plätze weg­zu­fal­len dro­hen?

Für uns ist die Ant­wort klar: Eine moderne Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung darf nicht erst ein­set­zen, wenn Arbeits­lo­sig­keit bereits ein­ge­tre­ten ist. Sie muss:

  • Beschäf­ti­gung sichern,
  • Qua­li­fi­zie­rung ermög­li­chen
  • und Über­gänge in neue Arbeit orga­ni­sie­ren.

Gerade in einer Arbeits­welt, die sich mas­siv ver­än­dert, muss sie des­halb immer mehr sein, als eine Ver­si­che­rung für den Fall der Arbeits­lo­sig­keit. Wir haben in der letz­ten Bun­des­re­gie­rung dafür wich­tige Schritte auf den Weg gebracht: zum Bei­spiel

  • das Qua­li­fi­zie­rungs­geld,
  • die Wei­ter­ent­wick­lung der Beschäf­tig­ten­för­de­rung,
  • und eine Stär­kung der Berufs­be­ra­tung im Erwerbs­le­ben

Der vor­lie­gende Gesetz­ent­wurf ent­wi­ckelt das SGB III an die­sen und wei­te­ren Stel­len mit vie­len klei­ne­ren Anpas­sun­gen fort.

Das fin­den wir gut. Das fin­den wir rich­tig. Aber diese Anpas­sun­gen bie­ten noch keine aus­rei­chen­den Ant­wor­ten auf die grund­sätz­li­che Frage:

Was soll unsere Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung in Zukunft leis­ten?

Für uns sind hier­bei 3 Punkte ent­schei­dend:

Ers­tens: Wir wol­len Arbeits­lo­sig­keit mög­lichst ver­hin­dern, bevor sie ent­steht.

Das errei­chen wir nur, wenn in einem Unter­neh­men Arbeits­plätze weg­fal­len, die Bera­tung, Qua­li­fi­zie­rung und die Arbeits­markt­dreh­schei­ben frü­her ein­set­zen. So kön­nen Über­gänge von Arbeit in Arbeit bes­ser orga­ni­siert wer­den.

Zwei­tens: Wir wol­len, dass­Qua­li­fi­zie­rungs­geld, Beschäf­tig­ten­för­de­rung und Wei­ter­bil­dungs­be­ra­tung gerade in klei­nen und mitt­le­ren Unter­neh­men noch bes­ser funk­tio­nie­ren. Das geht nur durch ein­fa­chere Antrags­ver­fah­ren, fle­xi­blere und modu­lare Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bote und eine bes­sere Bera­tung.

Drit­tens: Wir wol­len, dass die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung end­lich zu den viel­fäl­ti­ger wer­den­den Erwerbs­bio­gra­fien der Men­schen passt:
zu Men­schen die:

  • zwi­schen abhän­gi­ger Beschäf­ti­gung und Selbst­stän­dig­keit wech­seln,
  • die pro­jekt­be­zo­gen arbei­ten

Oder

  • die sich immer wie­der nur in kur­zen Beschäf­ti­gungs­zei­ten wie­der­fin­den.

All diese Men­schen bekom­men wenig oder gar kein Arbeits­lo­sen­geld.
Die ent­schei­dende Frage ist daher aus unse­rer Sicht:

Was kön­nen wir tun, damit erwerbs­tä­tige Men­schen sich auch in fünf oder zehn Jah­ren noch auf die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­las­sen kön­nen?

Und ja, auch wir wis­sen: Die Bun­des­agen­tur für Arbeit steht finan­zi­ell erheb­lich unter Druck. Die schwa­che Kon­junk­tur treibt die Arbeits­lo­sen­zah­len nach oben und die Bei­trags­ein­nah­men nach unten. Dar­auf kann man mit dem Rot­stift reagie­ren — Wir hal­ten das aller­dings für den fal­schen Weg. Man reißt ja auch nicht das Dach ab, wenn es reg­net. Wer in der Krise bei Ver­mitt­lung, Bera­tung und Qua­li­fi­zie­rung streicht, der spart nicht auto­ma­tisch Geld. Er ver­schiebt die Kos­ten der Arbeits­lo­sig­keit nur in die Grund­si­che­rung. Die Ant­wort auf die Wirt­schafts­krise kann des­halb ja nicht sein, den Auf­trag der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung immer klei­ner zu machen, wie es der AfD ‑Antrag for­dert.

Es braucht eine andere Per­spek­tive und die zei­gen wir mit unse­rem Antrag:

Durch pas­sen­dere Qua­li­fi­zie­run­gen, für bes­sere Job-Über­gänge und für Men­schen mit Erwerbs­bio­gra­fien die nicht immer gerad­li­nig ver­lau­fen, wol­len wir eine Arbeits­ver­si­che­rung die den Men­schen Sicher­heit im Wan­del gibt und die den Wan­del gestal­tet.

Und damit komme ich zu mei­ner Frage vom Anfang zurück: Wann ist der rich­tige Zeit­punkt, Arbeits­lo­sig­keit zu bekämp­fen?

Unsere Ant­wort lau­tet: bevor sie ent­steht.

Ich freue mich auf die Bera­tun­gen im Aus­schuss.  Vie­len Dank.