27. Mai 2026
Statement zum Kabinettsentwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Städtebau- und Raumordnungsrechts
Zum Kabinettsbeschluss des Entwurfs eines Gesetzes zur Modernisierung des Städtebau- und Raumordnungsrechts am 27.05.2026 erklärt Sylvia Rietenberg:
Wenige Tage nach den alarmierenden Zahlen zum Wohnungsbau setzt die Bundesregierung unbeirrt ihren Kurs der Symbolpolitik fort. Statt einer grundlegenden Reform des Bauplanungsrechts und einer echten Stärkung der bodenpolitischen Instrumente der Kommunen setzt die Bundesregierung weiter auf Beschleunigung durch Deregulierung ohne soziale und ökologische Leitplanken. Dadurch schreddert sie nicht nur die gesamte Planungskultur, sondern nimmt auch keinerlei Unterscheidung zwischen profitmaximierenden Bauvorhaben und solchen mit Gemeinwohlorientierung vor. Die Absenkung der Umweltprüfung, die Einführung einer materiellen Präklusion und die Absenkung des Artenschutzes im BNatSchG gefährden die ökologische Säule der nachhaltigen Stadtentwicklung.
Um zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum dort zu schaffen, wo er am dringendsten benötigt wird und somit das Problem an der Wurzel zu packen, braucht es Vorfahrt für sozialen und gemeinwohlorientierten Wohnungsbau und ein Baugesetzbuch, das den Umbau und die Nachverdichtung durch einen “Umbauturbo” in den Mittelpunkt stellt.
Die Streichung der Regelung aus dem Vorentwurf, mit der den Kommunen ein Vorkaufsrecht eingeräumt werden sollte, sofern die Erwerber in Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität oder verfassungsfeindlichen Bestrebungen stehen (§ 24 Abs. 1 Nr. 9 BauGB im Entwurf), sendet ein fatales Signal an die Kommunen. Zwar war die Regelung ohnehin unausgereift, weil die meisten Kommunen angesichts leerer Kassen, ohne finanzielle Unterstützung das Vorkaufrecht ohnehin nicht hätten ausüben können. Nun zeigt die Bundesregierung durch die Streichung vor allem, dass sie die Kommunen, wenn es hart auf hart kommt, alleinstehen lässt. Denn es reicht anscheinend ein von rechtsaußen angefachter Sturm im medialen Wasserglas, damit Union und SPD weiche Knie bekommen. Dieser Mangel and Standhaftigkeit gegenüber rechtsextremen Kräften sollte jedem Demokraten Kopfschmerzen bereiten.