Frühlingserwachen im Grünen OV Warendorf
Soziale Wohnungspolitik im Mittelpunkt des politischen Frühjahrserwachens des Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen Warendorf
Rund 40 interessierte Gäste folgten am 28. Februar der Einladung des Ortsverbandes Bündnis 90/Die Grünen Warendorf zum politischen Frühjahrserwachen im Hotel „Im Engel“. Der Vormittag stand ganz im Zeichen der sozialen Wohnungspolitik – von bundespolitischen Rahmenbedingungen bis hin zu konkreten Herausforderungen auf kommunaler Ebene vor Ort. Zu Gast waren die für Münster direkt gewählte Grüne Bundestagsabgeordnete Sylvia Rietenberg und die Landtagsabgeordnete der Grünen Hedwig Tarner. Moderiert hat Silvia Gora als Ortsverbandssprecherin die Veranstaltung.
Sylvia Rietenberg ordnete das Thema zunächst auf bundespolitischer Ebene ein. Sie sprach von einer zunehmenden sozialen Schieflage und kritisierte insbesondere die aktuellen wohnungspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung. Trotz Ankündigungen zur Beschleunigung des Wohnungsbaus fehlten aus ihrer Sicht bislang tragfähige Lösungen, während Kommunen gleichzeitig mit steigenden Schulden und wachsenden Aufgaben belastet würden. Die Koalition habe in ihrem Koaltionsvertrag eine Lösung der Altschuldenproblematik angekündigt, aber bisher nichts vorgelegt. Dies verhindere die Handlungsfähigkeit der Kommunen. Der sogenannte „Bauturbo“, verkauft als Maßnahme zur Beschleunigung des Wohnungsbaus, sei ein Etikettenschwindel und zudem auch Gift für die Planungskultur in den Kommunen. Es gehe nur darum, schnellstens Wohngebäude zu errichten, ohne über Alternativen und Konsequenzen nachzudenken. Es gehe nicht um sozialen oder bezahlbaren Wohnungsbau – man betreibe „Politik mit der Kettensäge“, so Sylvia Rietenberg.
Sie stellte klar: Bündnis 90/Die Grünen stehen für eine Bau- und Wohnungspolitik, die nachhaltige, klimagerechte und sozial ausgewogene Städte fördert, anstatt Profitorientierung und Zersiedelung zu begünstigen. Das Ziel sei eine grundlegende Neuausrichtung der Baupolitik, hin zu einer Stadtentwicklung, die sozial gerecht, ökologisch und gemeinwohlorientiert ist.
Dort wo Ausnahmen zugelassen werden, müsse es verbindliche Quoten für bezahlbaren Wohnraum geben. Zudem müssten Mietsteigerungen in angespannten Märkten begrenzt werden. Insgesamt müsse den Kommunen eine stärke Rolle zu teil werden. Der Wohnungsmarkt funktioniere nicht wie ein gewöhnlicher Markt, betonte sie und verwies auf steigende Mieten, etwa in der Stadt Münster, wo die ortsübliche Vergleichsmiete allein in den letzten zwei Jahren um 5,1% gestiegen sei.
Doch Wohnungspolitik dürfe nicht unabhängig von der Debatte um Bodenpolitik geführt werden. Grundstückspreise machten inzwischen einen erheblichen Anteil der Baukosten aus und seien damit ein wesentlicher Treiber der Wohnungsnot. Um gegenzusteuern, müssten Kommunen wieder stärker handlungsfähig werden und aktiv Bodenpolitik betreiben, etwa durch strategische Bodenbevorratung.
Zu Beginn verband Hedwig Tarner Themen die uns heute beschäftigen. Dazu würden sowohl die Konflikte weltweit (Israel‑, Ukraine), als auch die Auswirkungen Trump und lokal die die B64n als auch bezahlbarer Wohnraum zählen. Auf Landesebene sei eine Gestaltung in der Koalition über die Landesbauverordnung massgebend und möglich. Wie es zum Beispiel um PV-Anlagen oder auch um Schottergärten geht.
In Warendorf würden sich im Durchschnitt zwei Personen eine Wohneinheit mit 52,4 Quadratmetern teilen. Die Bevölkerungsanzahl bliebe in Warendorf auf dem gleichen Niveau. Sie stellte die Frage: „Was braucht Warendorf?“ Die Antworten darauf lieferte Hedwig Tarner ebenfalls: Geförderter Wohnungsbau, kleinere Wohnungen für Alte und Einpersonenhaushalte sowie genossenschaftliches Wohnen seien Lösungsansätze für bezahlbaren Wohnraum. Bei all dem seien aber weitergehende Überlegungen der Grünen gesamtheitlich zu betrachten wie Flächen sparen, Um- und Nachnutzung von Wohnraum, Baustoffe regulieren und Städte klimaresilienter zu gestalten. Ein guter Ansatz dazu sei die Begrünung von Dächern und Wänden. Als ein positives Beispiel erwähnte Hedwig Tarner, wenn Eltern ihren Kindern samt Nachwuchs das Haus überlassen würden, um selber in eine angemessen Wohnung umziehen.
Interessierte Zuhörer*innen stellten im Anschluss an die Redebeiträge Fragen an die beiden Politikerinnen. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung von Tabea Haack, Beisitzerin im Ortsverbandsvorstand von Bündnis 90/Die Grünen Warendorf. Tabea sang und begleitete sich dabei selbst am Klavier. Bei einem kleinen Imbiss und Getränken bestand die Gelegenheit zum anschließenden Austausch. Der Ortsverbandsvorstand von Bündnis 90/Die Grünen freute sich über die gelungene Auftaktveranstaltung.