Berufseinstieg wird schwieriger: Was junge Menschen heute erwartet – und was die Bundesregierung (nicht) weiß
Viele Studierende und Absolvent*innen erleben es bereits selbst: Der Übergang vom Studium in den ersten Job wird schwieriger. Das bestätigt nun auch die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen zum Berufseinstieg im Kontext von Künstlicher Intelligenz (KI) und konjunktureller Schwäche.
Der Übergang vom Studium oder der Ausbildung in den ersten Job ist für viele junge Menschen eine der prägendsten Phasen ihres Lebens. Umso problematischer ist es, dass dieser Berufseinstieg zunehmend schwieriger, unsicherer und unübersichtlicher wird. Zahlreiche Medienberichte und Studien haben in den vergangenen Monaten darauf hingewiesen, dass Einstiegsstellen seltener werden und Bewerbungsprozesse länger dauern. Quelle war die Sonderauswertung eines Stellenportals.
Unsere Initiative: Kleine Anfrage zum Berufseinstieg
Um diese Probleme sichtbar zu machen und politische Verantwortung einzufordern, haben wir als Grüne Bundestagsfraktion eine Kleine Anfrage zum Berufseinstieg gestellt. Ziel war es, belastbare Zahlen zu erhalten, strukturelle Veränderungen zu erkennen und herauszufinden, wie die Bundesregierung den Berufseinstieg junger Menschen in Zeiten von KI, Transformation und Unsicherheit konkret sichern will.
Die Auswertung der Antworten zeigt: Die Bundesregierung beschreibt die Lage überwiegend mit bestehenden Statistiken, vermeidet aber eine strategische Einordnung und verweist vor allem auf bestehende Instrumente der Berufsberatung, Weiterbildung und Arbeitsförderung. Konkrete neue Antworten darauf, wie Einstiegsstellen gesichert oder neue Perspektiven geschaffen werden sollen, bleiben aus.
Hier ist die ganze Antwort der Bundesregierung: Antwort auf die kleine Anfrage “Berufseinstieg vor dem Hintergrund von Künstlicher Intelligenz und konjunktureller Schwäche”
Verschärfte Lage auf dem Arbeitsmarkt
Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zum „Berufseinstieg im Kontext von Künstlicher Intelligenz (KI) und konjunktureller Schwäche“ bestätigt diese Entwicklung in zentralen Punkten. Nach Angaben der Bundesregierung benötigen inzwischen über 20 Prozent der Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger mehr als sechs Monate, um nach Abschluss eine Stelle zu finden. Bei Akademikerinnen und Akademikern liegt der Anteil sogar bei rund 23 Prozent.
Gleichzeitig hat sich das Stellenangebot deutlich verschlechtert: Nach einem starken Wachstum bis 2022 ist die Zahl aller gemeldeten offenen Stellen seitdem spürbar zurückgegangen, bei akademischen Profilen um mehr als ein Viertel. Dieser Einschnitt fällt in eine Phase massiver wirtschaftlicher Unsicherheit infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, steigender Energiepreise und einer konjunkturellen Abschwächung. Parallel beginnt ab Ende 2022 der breite Einsatz generativer KI, die gerade akademische Tätigkeiten verändert und Einstiegsprofile verschiebt.
Große Lücken bei Daten und politischer Steuerung
Für zentrale Fragen des Berufseinstiegs fehlen belastbare Daten. Die Bundesregierung weiß nicht,
- wie viele Einstiegsstellen in den vergangenen Jahren weggefallen oder in andere Qualifikationsprofile umgewandelt worden sind,
- wie sich die Arbeitslosigkeit in den ersten drei, sechs oder zwölf Monaten nach Studienabschluss entwickelt,
- wie viele Bewerbungen Absolvent*innen im Durchschnitt schreiben müssen, um ihre erste Stelle zu finden.
Gerade in einer Phase tiefgreifender technologischer Veränderungen ist diese Datenlücke gravierend. Zwar erkennt die Bundesregierung an, dass KI unsere Tätigkeiten verändert und Qualifikationsanforderungen verschiebt. Eine systematische Arbeitsmarktanalyse zu den konkreten Auswirkungen von KI auf Einstiegsjobs existiert jedoch nicht. Damit fehlt die Grundlage, um arbeitsmarktpolitisch gezielt gegenzusteuern und junge Menschen beim Übergang in den Beruf besser zu unterstützen.
Medienresonanz und öffentliche Debatte
Bereits im Herbst hatten zahlreiche Medien über eine Stepstone-Analyse berichtet, die einen deutlichen Rückgang von Einstiegsstellen und längere Bewerbungsprozesse belegte. Die Antwort der Bundesregierung liefert nun erstmals amtliche Zahlen, und macht zugleich deutlich, wo staatliche Erkenntnisse fehlen. Die Themen, die wir mit der Kleinen Anfrage aufgeworfen haben, stoßen auf mediales Interesse:
“Berufseinsteiger suchen immer länger nach einer ersten Stelle” von Barbara Gillmann, erschienen auf handelsblatt.com am 24.01.2026 https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/arbeitsmarkt-berufseinsteiger-suchen-immer-laenger-nach-einer-ersten-stelle-01/100193969.html
“Berufseinsteiger warten immer länger auf ihren ersten Job” Bericht vom 25.01.2026 auf https://www.deutschlandfunk.de/berufseinsteiger-warten-immer-laenger-auf-ihren-ersten-job-100.html
Diese Berichterstattung zeigt: Der Berufseinstieg ist kein Randthema, sondern eine zentrale Zukunftsfrage.