Chancen statt Stigmatisierung – Für eine gerechte Grundsicherung
Wer Menschen in der Grundsicherung wirklich in Arbeit bringen will, muss Chancen ermöglichen. Mit unserem Antrag „Chancen statt Stigmatisierung – Für eine gerechte Grundsicherung“ setzen wir auf Qualifizierung, verlässliche Förderung und starke Jobcenter: für nachhaltige Integration in Arbeit und echte Perspektiven.
Mit der ersten Lesung zur Grundsicherungsreform steht eine Grundsatzentscheidung im Bundestag an: Geht es künftig wieder um Druck und Sanktionen, oder um Menschen nachhaltig in Arbeit zu bringen?
Die Grüne Bundestagsfraktion macht mit ihrem Antrag „Chancen statt Stigmatisierung – Für eine gerechte Grundsicherung“ (Drs. 21/3606) deutlich: Eine moderne Grundsicherung darf Menschen nicht als Problem behandeln, sondern muss sie gezielt unterstützen: mit passgenauer Förderung, guter Beratung und einer Arbeitsmarktpolitik, die Perspektiven eröffnet.
Gelingende Arbeitssuche mit Unterstützung
Arbeitsmarktpolitik ist dann erfolgreich, wenn sie realistische Wege in Beschäftigung eröffnet. Viele Menschen in der Grundsicherung stehen vor komplexen Hürden: fehlender Berufsabschluss, gesundheitliche Einschränkungen, familiäre Belastungen oder eine lange Phase ohne Beschäftigung. Wer hier allein auf Sanktionen setzt, verschärft oft die Probleme, statt sie zu lösen.
Unser Anspruch ist deshalb klar: Jobcenter brauchen Zeit, Instrumente und Ressourcen, um Menschen wirklich individuelle zu begleiten.
Die wichtigsten arbeitsmarktpolitischen Forderungen des Antrags
1) Qualifizierung stärken, statt Vermittlung um jeden Preis
Der Arbeitsmarkt verändert sich rasant: Fachkräfte werden gebraucht, gleichzeitig steigen die Anforderungen in vielen Berufen. Entscheidend ist daher, dass Menschen in der Grundsicherung Zugang zu Weiterbildung, Nachqualifizierung und Berufsabschlüssen erhalten.
Der Antrag betont: Qualifizierung muss Vorrang haben, wenn sie langfristig die Chancen auf existenzsichernde Beschäftigung verbessert, anstatt Menschen kurzfristig in instabile Jobs zu drängen, die anschließend erneut in die Grundsicherung führen.
2) Nachhaltige Arbeitsmarktintegration braucht individuelle Förderung
Erfolgreiche Vermittlung ist nicht gleichzusetzen mit „schnell raus aus dem Leistungsbezug“. Nachhaltige Integration gelingt, wenn Menschen stabil in Beschäftigung kommen und dort bleiben können.
Dafür braucht es:
- individuelle Beratung und Begleitung,
- passgenaue Förderinstrumente,
- und eine Unterstützung, die nicht nur auf kurzfristige Vermittlungsergebnisse zielt.
Gerade Menschen mit mehrfachen Vermittlungshemmnissen benötigen längerfristige Unterstützung – sonst entstehen Drehtüreffekte und neue Brüche.
3) Sozialer Arbeitsmarkt ausbauen und verlässlich finanzieren
Für Menschen, die auf absehbare Zeit keinen Zugang zum regulären Arbeitsmarkt haben, braucht es Angebote, die Teilhabe und Beschäftigung ermöglichen, statt Ausgrenzung zu verfestigen.
Unser Antrag setzt deshalb auf eine Stärkung des Sozialen Arbeitsmarkts, als arbeitsmarktpolitisches Instrument, dafür sorgt, dass Menschen überhaupt wieder Anschluss an Beschäftigung finden können.
4) Jobcenter handlungsfähig machen, statt sie zu überlasten
Eine Grundsicherung, die Chancen schaffen will, braucht Jobcenter, die mehr leisten können als Verwaltung. Das gelingt nur, wenn:
- ausreichend Personal vorhanden ist,
- Beratung nicht unter Zeitdruck stattfindet,
- und Fördermittel planbar und verlässlich zur Verfügung stehen.
Den gesamten Antrag gibt es hier: „Chancen statt Stigmatisierung – Für eine gerechte Grundsicherung“ (Drs. 21/3606)