Bericht aus Berlin
Sylvias Sommer-Newsletter
Liebe Freund*innen in den KVen Münster, Hamm, Soest und Warendorf, Liebe Interessierte,
es sind bewegte Zeiten, in denen wir leben. Berlin war und ist ein Kraftakt: zwischen Gesundheits- und Klimapolitik, die ihren Namen nicht verdient und Debatten, die uns manchmal die Haare zu Berge stehen lassen, bleibt kaum eine Sekunde. Doch genau das macht unsere Arbeit im Bundestag so spannend und so wichtig.
Aktuell dreht sich alles um den Rücktritt von Jens Spahn und Spekulationen um das Thema seiner möglichen Nachfolger. Da es eine außerordentliche Sitzung der gesamten CDU Fraktion am 29.07. geben wird, können wir ab dann mit mehr Klarheit rechnen. Auch das Thema Leihmutterschaft wird sicher durch den aktuellen Rücktritt wieder in die Öffentlichkeit geraten und ich rechne mit weiteren Debatten im Plenum nach der Sommerpause.
In dieser Ausgabe meines Newsletters nehme ich Euch aber erstmal mit hinter die Kulissen meiner Arbeit der vergangenen Monate und damit in die Politikfelder Bauen- Wohnen,-Stadtentwicklung, sowie Arbeitsmarktpolitik. Hier gibt es einiges zu berichten und noch mehr zu tun. Bevor ihr inhaltlich einsteigt noch ein kurzer Hinweis:
Mein Team und ich sind gerade dabei, ein neues Format für den Infobrief zu entwickeln. Wir sind noch im Work-in-Progress, damit ihr gut an die Inhalte kommt, die für euch interessant sind.
Aber lest selbst:
Ein Jahr Baupolitik
Ein Jahr schwarz-rote Bau- und Stadtentwicklungspolitik liegt hinter uns und man muss feststellen, außer planloser Deregulierung und dem Schreddern der kommunalen Planungs- und Beteiligungskultur fällt der Bundesregierung wenig ein.
Wir haben deshalb schon das sogenannte „Bauturbo“-Gesetz sehr kritisch begleitet und unsere Kritik bleibt auch bei dem in der letzten Sitzungswoche in den Bundestag eingebrachten Gesetzentwurf zur Modernisierung des Städtebau- und Raumordnungsrechts aktueller denn je. Die Bundesregierung setzt mit diesem Gesetzentwurf unbeirrt ihren Kurs der Symbolpolitik fort. Statt einer grundlegenden Reform des Bauplanungsrechts und einer echten Stärkung der bodenpolitischen Instrumente der Kommunen setzt die Bundesregierung weiter auf Beschleunigung durch Deregulierung ohne soziale und ökologische Leitplanken. Dadurch schreddert sie nicht nur die gesamte Planungskultur, sondern nimmt auch keinerlei Unterscheidung zwischen profitmaximierenden Bauvorhaben und solchen mit Gemeinwohlorientierung vor. Die Absenkung der Umweltprüfung, die Einführung einer materiellen Präklusion und die Absenkung des Artenschutzes im BNatSchG gefährden die ökologische Säule der nachhaltigen Stadtentwicklung.
Wir haben deshalb in der letzten Sitzungswoche einen Antrag mit dem Titel „Vorfahrt für bezahlbaren Wohnraum und nachhaltige Stadtentwicklung“ eingebracht und zeigen, dass es eine Alternative zu planloser Deregulierung gibt. Wir fordern stattdessen eine grundlegende Neuausrichtung der Baupolitik hin zu einer sozial gerechten, ökologischen und gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung. Es braucht eine Stärkung und konsequenten Vorrang der Innenentwicklung, Nachverdichtung und des Umbaus bestehender Gebäude („Umbauturbo“) sowie verbindliche soziale Quoten von mindestens 50 % für bezahlbaren und gemeinwohlorientierten Wohnraum.
Weitere zentrale Forderungen sind: die Dauerhaftigkeit von Genehmigungsvorbehalt und sozialem Wohnraumschutz, die Stärkung kommunaler Vorkaufsrechte (auch bei Share Deals und Erbbaurechten), die Einrichtung einer Bundes- und Unterstützung kommunaler Bodenfonds, ein sozialer Flächenbeitrag zur Bereitstellung von Bauflächen für sozialen Wohnungsbau, sowie neue Instrumente für Klimaanpassung, Biodiversität und Flächensparen. Ziel ist eine Baugesetzgebung, die nachhaltige, klimagerechte und sozial ausgewogene Städte fördert, anstatt Profitorientierung und Zersiedelung zu begünstigen.
Ein Thema, welches aber in der öffentlichen Aufmerksamkeit nach wie vor viel zu wenig Beachtung findet, ist die kommunale Bodenpolitik.
Denn die Verfügbarkeit von bebaubaren Grundstücken und die Frage, in wessen Hände diese gelangen und zu welchen Konditionen, entscheidet maßgeblich über das Angebot an Wohnraum und der Fähigkeit von Kommunen die Stadtentwicklung nicht nur passiv über die Entscheidung über das Baurecht, sondern auch aktiv mitzusteuern.
Deshalb haben wir in der letzten Woche im Bundestag ein sehr anregendes Fachgespräch zum Thema „Bodenpolitik – nachhaltige Stadtentwicklungspolitik von der Wurzel aus betrachtet“ veranstaltet.
Das soll aber erst der Startschuss sein für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Bodenpolitik im Deutschen Bundestag.
„Mein Ziel: Kommunale Bodenpolitik muss raus aus der Nische!“
Wohnungslosigkeit beenden!
Auch das Thema Wohnungs- und Obdachlosigkeit findet nach wie vor politisch zu wenig Beachtung. Umso mehr haben wir in den vergangenen Monaten mit unterschiedlichen parlamentarischen Initiativen die Bundesregierung zur Verantwortung gezogen. Zum einen haben wir durch unsere Kleine Anfrage zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplans gegen Wohnungslosigkeit die schwarz-rote Regierung dazu gebracht, sich nach internen Streitereien weiterhin öffentlich dem Ziel zu verschreiben, Wohnungs- und Obdachlosigkeit bis 2030 überwinden zu wollen. Zum anderen haben wir durch eine zweite Kleine Anfrage den Blick auf die Situation von queeren Menschen gerichtet, die überproportional von Wohnungslosigkeit betroffen sind. In einem offenen Brief an die S‑Bahn Berlin haben wir medienwirksam die neue Maßnahme kritisiert, nach der wohnungslose Menschen durch Reinigungsteams fortan aus Zügen verwiesen werden. Wir bleiben dran, denn eine Gesellschaft misst sich daran, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht.

Ein Jahr Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik
Auch ein Jahr schwarz-rote Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik liegt hinter uns. Während die Bundesregierung im Winter beim Bürgergeld eine Rolle rückwärts vollzogen hat und die Jobcenter nun seit dem 01.07.2026 mit der 13. SGB-II-Reform umgehen müssen, bei der Druck und schnelle, wahllose Vermittlung im Vordergrund stehen, werden den Arbeits- und Fachkräften aus dem Ausland weitere Hürden in den Weg gestellt, wie die Kürzungen bei den Integrations- und Sprachkursen. Diese Politik steht den Arbeitskräfte- und Fachkräftebedarfen in unserem Land im Weg. Wer Menschen möglichst schnell in irgendeine Beschäftigung vermitteln will, statt sie gezielt zu qualifizieren, löst weder den Fachkräftemangel noch stärkt er die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Gerade jetzt brauchen wir Investitionen in Menschen und ihre Fähigkeiten.
In den letzten Monaten dominierten die Reformen in allen Bereichen unserer Sozialsysteme viele Debatten. Auch ich und meine Fachkollegen in der Bundestagsfraktion sehen massiven Reformbedarf in den Sozialversicherungszweigen und viel Potential für Bürokratieabbau und Effizienzgewinne für die Menschen.
Aber ich habe den Eindruck, die Bundesregierung diskutiert derzeit vor allem darüber, wie sich Sozialausgaben und Leistungen begrenzen lassen. Dabei geraten die eigentlichen Herausforderungen und das Ziel zunehmend aus dem Blick. Der Strukturwandel steht nicht erst bevor, er verändert unseren Arbeitsmarkt bereits heute. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, die Transformation der Industrie und die anhaltende wirtschaftliche Schwäche stellen Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen vor enorme Aufgaben. Man sollte nicht glauben, die aktuelle Wirtschaftskrise ließe sich mit Sozialleistungskürzungen überwinden. Die massiven Auswirkungen globaler Ereignisse, wie die amerikanische Zollpolitik, die chinesische Handelspolitik, der Krieg gegen die Ukraine und die Blockaden in der Straße von Hormus lassen sich nicht mit solchen innenpolitischen Maßnahmen auflösen.
Aktuell werfe ich ein besonderes Auge auf das größer werdende Finanzloch in der Arbeitslosenversicherung. Das macht mir Sorgen und wird im Herbst viel diskutiert werden. Die steigende Arbeitslosigkeit, die nun seit drei Jahren wieder gestiegenen Zahlen beim Kurzarbeitergeld, um konjunkturbedingte Entlassungen zu verhindern, und die zurückgehende Einstellungsbereitschaft deutscher Unternehmen verbinden sich zu einem Ausgabehoch bei der Bundesagentur für Arbeit. Das ist kein Zeichen des Scheiterns, sondern Ausdruck ihrer Aufgabe als Krisenstabilisator. Sie sichert Einkommen, erhält Kaufkraft und gibt Unternehmen die Möglichkeit, ihre Beschäftigten auch in schwierigen Zeiten zu halten. Noch wichtiger ist aber: Sie kann Menschen mit Qualifizierung und Weiterbildung auf neue Anforderungen vorbereiten und so den Wandel aktiv begleiten.
Im Herbst wird im Parlament ein Gesetzentwurf zur Reform der Arbeitslosenversicherung diskutiert. Bekannt ist bereits, dass er weitere und wichtige Schritte zur Digitalisierung der Verwaltungsarbeit und Bürokratieabbau vorschlagen wird. Ich würde mir aber wünschen, dass die Reform mutiger gedacht wird. Die Arbeitswelt verändert sich rasant, unsere sozialen Sicherungssysteme müssen Schritt halten. Dazu gehören aus meiner Sicht bessere Weiterbildungsmöglichkeiten, auch für Menschen, die noch in Arbeit sind und die stärker auf Zukunftsbranchen ausgerichtet sind, eine stärkere soziale Absicherung von Selbständigen und kurzzeitig Beschäftigten sowie eine verlässliche Sprachförderung für Menschen, die in unserem Arbeitsmarkt ankommen wollen. Menschen und Unternehmen müssen gemeinsam durch den Wandel begleitet werden. Qualifizierung und Weiterbildung sind dafür die entscheidenden Schlüsselinstrumente, um für den Wirtschaftsaufschwung bereit zu sein.
Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel und ich und mein Team werden diesen Wandel weiterhin politisch begleiten.
„Mein Fazit nach einem Jahr schwarz-roter Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik: Weniger Sozialstaat schafft keine wirtschaftliche Stärke. Gute Arbeit, Qualifizierung und soziale Sicherheit schon.“
Sylvias Sommertour
Einen Teil der parlamentarischen Sommerpause möchte ich zu gemeinsamen Momenten mit Euch machen, drei Wochen voller Begegnungen und Austausch in meinem Wahlkreis Münster, in Hamm, den Kreisen Soest und Warendorf. Vom 12. bis 30. August bin ich auf Sommertour und freue mich darauf, Euch an vielen verschiedenen Orten persönlich zu treffen.
Ob bei Veranstaltungen, Besichtigungen, auf Märkten oder an Euren Küchentischen – ich möchte zuhören, ins Gespräch kommen und erfahren, was Euch bewegt. Gerade die persönlichen Begegnungen machen für mich den Unterschied: offen, ehrlich und auf Augenhöhe. Ich freue mich auf jede Begegnung, auf gute Gespräche und auf den direkten Austausch mit Euch.
Schaut gerne regelmäßig auf meinen Socialmedia-Kanälen vorbei, um alle Stationen meiner Sommertour mitzuerleben. Ich freue mich auf Euch!
„Sylvias Sommertour vom 12. bis 30. August“
Eure Meinung ist mir wichtig.
Schreibt mir bei Fragen, Anregungen oder Kritik — gern direkt per E‑Mail an das Münsteraner Büro.