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1. Oktober 2026

Rietenberg und Korte: Pflegegesetz ist keine Strukturreform, sondern Belastung für Pflegebedürftige und Kommunen

Das Bun­des­ka­bi­nett hat in die­ser Woche den Ent­wurf des Pfle­ge­neu­ord­nungs­ge­set­zes beschlos­sen, mit dem sie die soziale Pfle­ge­ver­si­che­rung finan­zi­ell sta­bi­li­sie­ren und die Leis­tun­gen refor­mie­ren wollte. Müns­ters direkt gewählte Bun­des­tags­ab­ge­ord­nete Syl­via Rie­ten­berg bedau­ert den mona­te­lan­gen Still­stand und Streit in der Koali­tion: „Auch wenn nach mas­si­ver Kri­tik noch Nach­bes­se­run­gen im Kabi­netts­ent­wurf vor­ge­nom­men wur­den — das Pfle­ge­neu­ord­nungs­ge­setz bleibt ein Spar­ge­setz zulas­ten von Pfle­ge­be­dürf­ti­gen, Ange­hö­ri­gen und Pfle­ge­kräf­ten. Für echte Struk­tur­re­for­men fehlt der Regie­rung eine Vision, statt­des­sen ver­la­gern sie die Finan­zie­rungs­last ein­sei­tig auf die Beitragszahler*innen. Es fehlt ein­fach eine sub­stan­zi­elle Betei­li­gung des Bun­des. Und dann wird die Begren­zung der Pfle­ge­kos­ten für Pflegeheimbewohner*innen in eine Pfle­ge­struk­tur­kom­mis­sion aus­ge­la­gert. Erneut ver­scho­ben!“ so Rie­ten­berg. So nehme das Unge­rech­tig­keits­ge­fühl in der Bevöl­ke­rung wei­ter zu, wenn gesamt­staat­li­che Auf­ga­ben nicht aus Steu­er­mit­teln finan­ziert wer­den und der faire Aus­gleich zwi­schen pri­va­ter und sozia­ler Pfle­ge­ver­si­che­rung aus­bleibt.
Robin Korte, Grü­ner Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter aus Müns­ter, ergänzt: „Mit ihrem Spar­ge­setz treibt die Bun­des­re­gie­rung noch mehr Pfle­ge­be­dürf­tige und ihre Ange­hö­ri­gen in die finan­zi­elle Über­for­de­rung. Damit macht sie zugleich die Kom­mu­nen zu Aus­fall­bür­gen ihrer feh­len­den Reform­be­reit­schaft. Denn je mehr Men­schen sich die stei­gen­den Pfle­ge­sätze im Heim nicht mehr leis­ten kön­nen, desto stär­ker müs­sen die Kom­mu­nen als soziale Leis­tungs­trä­ger für Hil­fen zur Pflege ein­sprin­gen. Zur Ent­las­tung von Men­schen und Kom­mu­nen braucht es jetzt drin­gend eine stär­kere Betei­li­gung Pri­vat­ver­si­cher­ter sowie die Über­nahme ver­si­che­rungs­frem­der Kos­ten durch den Bund.“
Die Kos­ten für kom­mu­nale „Hil­fen zur Pflege“ stei­gen seit Jah­ren dyna­misch und betru­gen zuletzt deutsch­land­weit ca. 6 Mil­li­ar­den Euro. Die zuneh­mende Belas­tung der kom­mu­na­len Haus­halte durch Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen für bun­des­ge­setz­li­che Sozi­al­leis­tun­gen stellt eine wesent­li­che Ursa­che der kom­mu­na­len Finanz­krise dar. Mit dem nun vor­lie­gen­den Kabi­netts­ent­wurf ist das erwar­tete Defi­zit der Pfle­ge­ver­si­che­rung aus Sicht der bei­den Abge­ord­ne­ten in den kom­men­den Jah­ren zudem nicht zu schlie­ßen, denn rein rech­ne­risch blei­ben für 2027 rund 1,35 Mil­li­ar­den Euro und für 2028 rund 2,6 Mil­li­ar­den Euro offen.

Zum Hin­ter­grund:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/kabinett-beschliesst-pflegeneuordnungsgesetz